Papier und Kultur

Gezähnt

Geschichte im Kleinformat

»Chai – Auf das Leben« ist die Botschaft einer aktuellen Sonderbriefmarke zum Thema »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Erinnert wird damit an ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin.

 


Briefmarke Chai - Auf das Leben
© Behr

Wie viele andere ist diese Sonderbriefmarke nicht nur ein Postwertzeichen, sondern auch ein Stück Geschichtsunterricht im Kleinformat. Briefmarkenmotive spielen deshalb auch im Schulunterricht eine wichtige Rolle.

Programmbeirat und Kunstbeirat

Jährlich werden etwa 50 Sonderpostwertzeichen herausgegeben, die an besondere Ereignisse oder Personen erinnern. Auf einer Fläche von nur wenigen Quadratzentimetern wird jeder Entwurf liebevoll ausgestaltet. Das macht die einzelne Marke zum kleinen Kunstwerk auf Papier. Bei der Festlegung der Themen und Motive stehen dem Finanzministerium ein Programmbeirat und ein Kunstbeirat zur Seite, die die Inhalte und die grafische Qualität der Entwürfe beurteilen. Rund 100 Grafikerinnen und Grafiker, die sich über ihre Arbeit für die Aufgabe im Designerpool qualifiziert haben, kümmern sich derzeit um die Gestaltung der deutschen Briefmarken. Für jede neue Marke bittet das Finanzministerium dreimal im Jahr je Thema sechs bis acht von ihnen, bis zu drei Entwürfe abzugeben. Die anonymisierten Einreichungen werden dann vom Kunstbeirat bewertet. Der Kölner Grafikdesigner Detlef Behr – der auch unser Magazin »Papier. Kann mehr!« gestaltet – ist 2021 mit zwei Entwürfen erfolgreich. Neben dem »Chai«-Motiv hat er auch eine Marke zur Erinnerung an die Widerstandskämpferin der »Weißen Rose«, Sophie Scholl, entworfen. Zur Erinnerung an den streitbaren Generalstaatsanwalt und »Eichmann-Jäger«, Fritz Bauer, hatte er bereits 2019 eine Marke gestaltet.

Grundsätzlich ist es das Ziel aller Sondermarken, wichtige historische und aktuelle Ereignisse, bedeutende Persönlichkeiten und »runde« Jubiläen in Deutschland zu würdigen. Es sollen bedeutsame gesellschaftspolitische Themenfelder ausgewogen und breit gefächert vertreten sein. Deshalb haben beispielsweise Ereignisse mit lokaler Bedeutung eine geringe Chance, zum Thema einer neuen Marke zu werden. Und es gibt weitere Ausschlusskriterien – so werden grundsätzlich keine lebenden Personen mit einem Briefmarken-Motiv geehrt.

Jeder kann Vorschläge einreichen

Der Programmbeirat tagt einmal im Jahr – im Regelfall im Herbst – um dann jeweils die Themen für das übernächste Jahr festzulegen. Jeder, der also einen Vorschlag für eine Briefmarke hat, kann sich an das Ministerium wenden: Bundesministerium der Finanzen Referat L C 5 Postwertzeichen, Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin. – gag