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Frauen in der Papierindustrie

Frauen und Technik? Das passt zusammen. In vielen technischen Berufsfeldern sind Frauen jedoch nicht so stark vertreten, wie sie es sein könnten: Doch es gibt viele positive Beispiele – Wir stellen tolle Kolleginnen aus der Papierindustrie vor.


Sabine Hottmann
Sabine Hottmann © Leipa

Viele junge Frauen sind gut ausgebildet und motiviert. Dennoch sind nur 17 Prozent der rund 40.000 Beschäftigten der Zellstoff- und Papierindustrie weiblich. Auch bei den Auszubildenden sieht es ähnlich aus. Hier liegt die Quote bei 84 Prozent männlichen Mitarbeitern, während nur 16 Prozent weiblich sind, bei den technischen Berufen sind es sogar nur 5 Prozent – Zahlen, die sich in den letzten zehn Jahren nicht wesentlich verändert haben.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. »Mädchen und Frauen fehlt es oft an weiblichen Vorbildern in technischen Berufen,  mit denen sie sich identifizieren können. Oft haben Hochschulabsolventinnen bessere Noten. Die Einstiegspositionen sind ebenfalls vergleichbar, die Aufstiegschancen sind jedoch nicht mehr gleich. Durch Schwangerschaften und Mutterschutz werden die Aufstiege in höhere Positionen verzögert«, sagt Prof. Dr. Helga Zollner-Croll, Professorin für Biogene Faserstoffe an der Hochschule München im Fachbereich Verpackungstechnik und Verfahrenstechnik Papier. Deshalb seien immer noch mehr Männer in Führungspositionen, vor allem im oberen Management. »Ich glaube jedoch, dass sich das mittelfristig ändern wird, da wir einen hohen Bedarf an sehr gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren für die Papierindustrie haben und deshalb alle motivierten Mitarbeiterinnen Führungsaufgaben übernehmen werden«, so Zollner-Croll weiter.

Spitzenfachkräfte von Morgen

So sieht man es auch in den Unternehmen. »Es ist Aufgabe der gesamten Branche, verstärkt junge Frauen für eine Karriere in der Industrie zu begeistern und ihnen die Vorteile einer Ausbildung zu den Spitzenfachkräften von morgen näherzubringen«, sagt Josef Krenn, Werksleiter bei Hamburger Containerboard am Standort Pitten. Das Unternehmen unterstützt gezielt Programme und Initiativen zur Förderung von Mitarbeiterinnen. Mehr Frauen für die Arbeit in der Fertigungsindustrie zu interessieren, hat sich auch DS Smith zum Ziel gesetzt. Durch die Aufnahme von Hochschulabsolventinnen in das Förderprogramm »One DS Smith Graduate Programme« konnte der Frauenanteil um 50 Prozent und die Teilnahme von Frauen am »Global Leadership Programm« von 9 auf 31 Prozent gesteigert werden.

Dass ein höherer Frauenanteil im Unternehmen Verbesserungen in den Bereichen Kreativität, Innovation und unternehmerischer Offenheit bringt, bestätigt auch eine Studie des International Labour Office. Unternehmen, die auf eine Geschlechterdurchmischung der Firmenleitung setzten, konnten ihre Gewinne um 10 bis 15 Prozent steigern. Diese positiven Effekte setzen ein, so die Studie, wenn 30 Prozent der Führungsrollen von Frauen besetzt werden.

Women4Paper

Ein wesentlicher Baustein, um erfolgreich zu sein, ist ein gutes Netzwerk. Ein erster Schritt dazu ist getan. Unter dem Motto »Women4Paper« hat sich 2019 eine Gruppe von Frauen in der Papier- und Zellstoffindustrie gegründet. »Wir haben Kontakte zu mehr als 200 Branchenvertreterinnen in den sozialen Medien. Da die Zahl der Frauen, die in der Papier- und Zellulosefaserindustrie arbeiten, immer noch deutlich hinter vielen anderen Branchen zurückbleibt, verbuchen wir dies als großen Erfolg«, sagt Petra Hanke, Geschäftsführerin des Zellcheming und eine der Initiatorinnen. Ziel ist es, ein attraktives, international ausgerichtetes Netzwerkangebot für weibliche Nachwuchs- und Führungskräfte in Produktion, Wissenschaft und Zulieferindustrie zu schaffen. Erste virtuelle Women4Paper-Web-Events haben bereits stattgefunden – mit viel positiver Resonanz. Die Papierindustrie bietet viele »green jobs«. Umweltthemen, Nachhaltigkeit und Recycling werden die Arbeitswelt der Zukunft prägen – mit vielen Karrieremöglichkeiten für Frauen. – tap

Claudia Förster © Felix Schoeller Group, Osnabrück

Claudia Förster
Bereichsleiterin Veredelung
Felix Schoeller Group Osnabrück

 

1    Ich arbeite in der Papierindustrie, weil ich es faszinierend finde, wie vielfältig Papier und seine Herstellung ist. Für jedes Anwendungsfeld braucht es spezialisierte Verfahren und der Betrieb der Anlagen stellt einen als Prozessingenieurin täglich vor neue, spannende Aufgaben.

2    Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall immer neugierig bleiben und nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn etwas nicht sofort klappt. Es gibt immer eine Lösung und wer hartnäckig bleibt, wird sie finden.

3    Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass es keine Hürden gibt, wenn man sich selbst treu bleibt und sein Ding durchzieht. Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich Ingenieurin werden und erfolgreich in meinem Beruf sein kann. Und das hat auch mein Umfeld nie in Frage gestellt.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: Schaut euch ruhig mal die Produktion in einer der deutschen Papierfabriken im Rahmen eines Praktikums an. Ihr werdet dort viele interessante Möglichkeiten zum Berufseinstieg entdecken, egal ob im Beruf als Ingenieurin oder direkt an der Maschine zum Beispiel als Maschinenführerin.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass ich meinen Produktionsbereich erfolgreich in die nächsten Jahre führen kann und zusammen mit meinem Team die Herausforderungen und Chancen von demographischen Wandel, Digitalisierung und nachhaltiger Produktion exzellent meistere. Und natürlich, dass ich jeden Tag neue Dinge entdecke, die mir weiterhin einen spannenden Berufsalltag bieten.

Vanessa Wippich © Mitsubishi HiTec Paper

VANESSA WIPPICH
MASCHINENFÜHRERIN STREICHMASCHINE
STELLVERTRETENDE SCHICHTLEITERIN
Mitsubishi HiTec Paper Flensburg
 

1   Ich arbeite in der Papierindustrie, weil ich mit der Papierindustrie groß geworden bin. Bereits mein Opa arbeitete im selben Unternehmen (ehemalig Feldmühle AG), sowie mein Vater und auch mein Bruder sind Papiermacher bei Mitsubishi HiTec Paper in Flensburg. Die Leidenschaft zum Papier wurde mir also quasi vererbt. Nach meinem Praktikum in einem Bürojob ist mir klar geworden, dass das nichts für mich ist und ich einen Handwerksberuf erlernen möchte.

2   Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall teamfähig und qualitätsbewusst sein. Zudem sollte man sich der Schichtarbeit bewusst sein.

3   Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass zu Beginn die Überraschung groß war, dass es Papiertechnologinnen gibt. Anfangs war etwas Skepsis zu merken, wenn es darum ging, schwer zu heben oder in warmen Umgebungen körperlich zu arbeiten, aber ich konnte die Skeptiker überzeugen. Dann wurden keine Unterschiede mehr gemacht.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: in die Papierindustrie reinzuschnuppern. Es ist für nahezu jeden etwas dabei. So vielfältig wie die Papierindustrie ist, lohnt es sich, sie kennenzulernen.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, weiterhin eine super Zusammenarbeit mit meinen Kollegen. Ich hoffe, ich kann das mir entgegengebrachte Vertrauen meines Arbeitgebers bestätigen und darf mich auch in Zukunft beruflich weiterentwickeln, um künftig mehr Verantwortung zu übernehmen.

Sabine Hottmann © Leipa

SABINE HOTTMANN
BEREICHSLEITERIN TECHNOLOGIE/ENTWICKLUNG
LEIPA GROUP

 

1    Ich arbeite in der Papierindustrie, weil es nie langweilig wird. Eigentlich wollte ich – als angehende Chemieingenieurin – nie in der Papierindustrie arbeiten, doch eine Semesterarbeit über Streichpigmente an der PTS in München hat das Interesse an Papier und Papierveredelung geweckt und ich bin dabei geblieben. Und ich habe es bis jetzt nicht bereut. Jeder Tag ist spannend und nicht vorhersehbar, da wir täglich mit neuen Herausforderungen und Anforderungen umgehen.

2    Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall in der Lage sein, sich schnell auf neue Herausforderungen einstellen zu können, ein gutes Netzwerk haben und Teamplayer sein –Papierherstellung ist Teamwork.

3    Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass man Vorurteilen gegenüber gelassen sein sollte. Es gibt genügend Kollegen, mit denen man auf Augenhöhe diskutieren und Probleme lösen kann.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: sich nicht von »männerdominierten Branchen« abschrecken zu lassen. Am Ende sollte man das machen, was einem Spaß macht, egal in welcher Branche.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass die positive Tendenz »mehr Frauen in technischen Berufen« anhält. Es sollte die Leistung entscheiden, nicht das Geschlecht. Hier ist LEIPA schon auf einem guten Weg - wir arbeiten mit den Besten und das Geschlecht ist dazu kein Bewertungskriterium.

Kerstin Weihrauch © Koehler

KERSTIN WEIHRAUCH
PAPIERTECHNOLOGIN IN DER QUALITÄTSPRÜFUNG
KOEHLER GRUPPE, STANDORT KEHL
 

1    Ich arbeite in der Papierindustrie, weil Familienangehörige sowie Freunde bei Koehler einen sicheren Arbeitsplatz gefunden haben. Als Kind habe ich bei einem »Tag der offenen Tür« das Koehler-Werk am Standort Kehl zum ersten Mal von innen gesehen. Die riesigen Maschinen haben mich damals beeindruckt und beim Papierschöpfen war ich von der Herstellung und der Zusammensetzung des Papiers fasziniert. So konnte ich mich schon früh für diesen Beruf begeistern. Später war Chemie mein Lieblingsfach und somit war meine berufliche Laufbahn die logische Konsequenz. Zudem gibt es in der Papierindustrie gute Möglichkeiten sich weiterzubilden, ich würde jederzeit wieder diesen Schritt gehen.

2    Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall mit Selbstbewusstsein und Ehrgeiz an die Arbeit gehen, dadurch kann man viel erreichen und das Team stärken.

3    Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich am Anfang erstmal beweisen muss, um im Team mitarbeiten zu können aber danach ist das Arbeiten mit Männern unkomplizierter und einfacher.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: z.B. das Besuchen des »Girl's Day«, ebenso ein Praktikum im Betrieb zu absolvieren oder sich im Internet gut zu informieren.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe und meinen Beruf noch lange Zeit machen kann.

Soraya Zanger © UPM

SORAYA ZANGER
PAPIERINGENIEURIN IN DER HALBSTOFFABTEILUNG
UPM ETTRINGEN
 

1    Ich arbeite in der Papierindustrie, weil die Arbeit in der Papierindustrie spannend ist und ich ständig etwas dazu lerne. Wir arbeiten mit natürlichen Rohstoffen, die in der Verarbeitung nie gleich sind. Meine Tätigkeiten sind dadurch sehr abwechslungsreich. Ich finde es außerdem toll, dass ich mit meiner Arbeit Einfluss auf die Nachhaltigkeit unseres Produktes nehmen kann.

2    Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall offen für Neues sein und neugierig bleiben. Damit man sich schnell auf geänderte Anforderungen und Gegebenheiten einstellen kann, ist es auch wichtig, flexibel zu sein.

3    Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich von den Erfahrungen meiner männlichen Kollegen viel lernen kann. Viele meiner Kollegen arbeiten schon seit Jahrzehnten in der Papierindustrie, davor habe ich großen Respekt und ich kann sehr davon profitieren.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: keine Scheu davor zu haben, in einer männerdominierten Branche zu arbeiten.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir: In den vergangenen Jahren konnte ich viel dazu lernen. Dieses Wissen und die Erfahrungen möchte ich auch zukünftig bei UPM einsetzen und dabei mehr Verantwortung übernehmen. Außerdem wünsche ich mir, dass es alltäglicher wird, Frauen in meinem Bereich – vor allem in der Produktion – anzutreffen.

Ilka Grein © Sappi / Kerstin Kalajian

ILKA GREIN
LEITERIN AUSRÜSTUNG
SAPPI STOCKSTADT
 

1    Ich arbeite in der Papierindustrie, weil mich große, komplexe Maschinen faszinieren und Holz sowie das Produkt Papier daraus wunderschön sind. Papier ist oberflächlich betrachtet simpel, begeistert aber durch seine facettenreiche Ausprägung und Variabilität.

2    Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall den Spaß an der Sache bewahren. Denn das erleichtert es auch, in schwierigen Situationen die Nerven zu behalten und sein Lächeln nicht zu verlieren.

3    Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nicht auf das Geschlecht, sondern immer nur auf den Charakter ankommt. Der kann begeistern oder enttäuschen sowohl bei Kollegen als auch bei Kolleginnen.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: Lasst Euch nicht von Klischees abschrecken. Fragt Euch ehrlich, was die Dinge sind, die euch begeistern und bleibt euch treu. Nur das erfüllt nachhaltig.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen und sich immer sicher fühlen. Strahlen meine Mitarbeiter, strahle ich auch.

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Désirée Meuser © Metsä Tissue

DÉSIRÉE MEUSER
PRODUCTION MANAGER CONVERTING &
ENVIRONMENTAL MANAGER
METSÄ TISSUE DÜREN
 

1    Ich arbeite in der Papierindustrie, weil mich die Herstellung von Papier fasziniert hat. Ich habe ein Praktikum absolviert und mich dazu entschlossen, meinen beruflichen Bildungsweg in der Papierindustrie zu starten und bis heute erfolgreich zu bestreiten.

2    Im Berufsalltag sollte man auf jeden Fall eine positive, aufgeschlossene und konstruktive Arbeitseinstellung haben - dies gilt sowohl für die Organisation im Allgemeinen als auch für die Mitarbeiter im Speziellen.

3    Als Frau in einer männerdominierten Branche habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich immer das Quäntchen mehr an Leistung bringen musste, um mir Akzeptanz und Respekt zu verschaffen. Mein Karrierestart als eine der wenigen Frauen in der Produktion war alles andere – nur nicht leicht. Auf einer bestimmten Stufe der Karriereleiter kommt es in erster Linie darauf an, strategisch zu denken und zu handeln und die Managementebene von seinen Fähigkeiten und Visionen zu überzeugen.

4    Schulabgängerinnen empfehle ich: sich ihre Interessen und Stärken klar zu machen. Mir hat die Kombination aus Praxiserfahrung und Theorie einen enormen Vorteil verschafft. Durch meine praktische Ausbildung fallen mir viele Entscheidungen im beruflichen Alltag leichter, da ich nicht nur die theoretische Problemlösung sehe, sondern auch ein entsprechendes Verständnis für die praktische Umsetzung habe.

5    Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass besonders in den oberen Management-Ebenen ein Umdenken stattfindet und mehr Frauen die Chance gegeben wird, sich zu beweisen. Ziel sollte sein, eben diese Genderdiskussionen nicht mehr zu führen und es als normal zu erachten, dass Frauen im oberen Management eine Daseinsberechtigung haben und dies auch in männerdominierten Branchen.